13. Jun 2021

Die Pille und der Kapitalismus – Oder warum das Leben als Frau in der Regel teurer ist

Die Pille und der Kapitalismus - Oder warum das Leben als Frau in der Regel teurer ist
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YouTube-Video "60 Jahre Pille – Happy No Birthday! | Die Carolin Kebekus Show" by Comedy & Satire im Ersten (2020)

Ich bin ein „Millenial“ und früher hatte ich eigentlich das Gefühl, dass Männer und Frauen natürlich gleichberechtigt sind. Auch wenn wir in dem Bereich als Gesellschaft schon ziemlich weit gekommen sind, zeigt es sich in vielen kleinen und großen Dingen, dass doch noch einiges zu tun ist. 😉

Ein Grund der Ungleichbehandlung von Frauen ist die Sprache:
→ „Was hat Gendern mit der Klimakrise zu tun“ (ReThink)

Doch was mich letztens geradezu schockiert hat, ist der obige YouTube-Beitrag von Carolin Kebekus über das Thema Verhütung mit der Antibabypille. Mir war bewusst, dass Männer die Pille Mitte des 20. Jahrhunderts für Frauen entwickelt haben und ich habe mich auch schon gefragt, warum es sowas nicht auch für Männer gibt. Warum muss sich ausgerechnet die Frau mit Hormonen vollpumpen und die Nebenwirkungen ertragen und nicht der Mann? Möglich wäre es tatsächlich.
Aber dass die Verantwortung für die Verhütung hauptsächlich bei den Frauen liegt, habe ich einfach hingenommen als „so ist das eben“.

Was mich aber an dem Beitrag so richtig schockiert hat, ist die Tatsache, dass Frauen eigentlich nicht bluten müssten, wenn sie die Pille durchnähmen. Seit 60 Jahren ist es „normal“ 21 Tage lang die Pille einzunehmen und anschließend eine 7-tägige Pillenpause zu machen, um eine Pseudomenstruation hervorzurufen. Diese Pseudomenstruation ist keine normale Regelblutung und hat medizinisch keinerlei Nutzen.
Würden Frauen die Pille kontinuierlich einnehmen (ohne Pause), würde auch keine Blutung eintreten.

Warum sollten Frauen also bluten, wenn das so viele Nachteile hat (Schmerzen, Unwohlsein, Zwang zu Menstruationsprodukten wie Binden, Tampons, etc. und mehr Müll)?
Ich kann mir vorstellen, dass einige Frauen durchaus bluten möchten, um sich dem natürlichen Zyklus näher zu fühlen, aber wer hat das bitte einfach so beschlossen, ohne uns Frauen zu fragen oder darüber aufzuklären? Ich wurde darüber früher jedenfalls nicht aufgeklärt.

„Die Einnahmeregel von 21+7 haben die Entwickler der Pille in den 1950er-Jahren eingeführt, um Skeptiker und vor allem die katholische Kirche von der Verhütungsmethode zu überzeugen. Mit der Abbruchblutung wollten die Hersteller einen natürlichen Zyklus imitieren.“

quarks.de

→ „Darum musst du nicht bluten, wenn du die Pille nimmst“ (quarks.de)

Zudem wurde die Pille in den letzten 60 Jahren nicht wirklich weiterentwickelt. Neuere „Versionen“ haben teilweise schlimmere Nebenwirkungen.

Zwang zu Mehrkosten

Wer profitiert eigentlich davon, dass Frauen in der Pillenpause bluten?

Es ist ja nicht nur so, dass man Geld für die Pille ausgibt, sich während der Blutung unwohl fühlt und eventuell Schmerzen hat, sondern man ist ja dann auch noch gezwungen Menstruationsprodukte zu kaufen, die lange Zeit auch noch unverhältnismäßig hoch besteuert wurden (vgl. Pink Tax) und durch die sich die Menge an Abfall stark erhöhen kann.

Ich könnte mir also vorstellen, dass bisher keine „flächendeckende“ Aufklärung über die Pillenpause stattgefunden hat, weil es dem Kapitalismus / der Wirtschaft wesentlich zuträglicher ist, wenn der Absatz von Menstruationsprodukten hoch bleibt. Auf Kosten von Frauen.

Wenn sich schon jemand mit Hormonen zuballert, steht derjenigen doch wenigstens die Entscheidung zu, ob sie eine unsinnige Blutung haben möchte oder nicht…! Das muss bei der Beratung zu Verhütungsmitteln unbedingt offen kommuniziert werden.

Petition

Für mehr Gleichstellung fordert eine Petition von BetterBirthControl deshalb:
→ „Verhütung für alle besser machen!“ (change.org)

ReThink, people!
Informiert euch, befragt eure FrauenärztInnen, tragt das Wissen weiter.

→ ReThinking: Menstruations-Hygieneprodukte
→ Tampon-Steuer? Menstruationsartikel sind kein Luxus!